Einfach und zugleich tief

Matthias, was bedeutet das Segnen für dich persönlich, als Seelsorger und Familienvater?
Für mich haben Segnungen eine zentrale Bedeutung. Das Wort «Segen» kommt vom lateinischen benedicere – «Gutes sagen». Und genau das steckt für mich darin: einem Menschen etwas Gutes zu sagen. Damit hat das Segnen für mich etwas zutiefst Positives. Ein Segen spricht zu: Du bist von Gott geliebt. Du bist von Gott gewollt. Dein Leben soll im Guten stehen.
Das ist ein unglaublich starker Zuspruch. Im gewöhnlichen Gottesdienst können wir dieses Ja Gottes zu uns spüren – aber genauso auch im Alltag durch das Segnen. Als Vater und Ehemann versuche ich, das ganz bewusst in unserer Familie zu leben.

Welche Aussagen macht die Bibel über das Segnen?
Das Segnen zieht sich durch das Alte und Neue Testament. Besonders schön finde ich die Kindersegnungen im Neuen Testament. Jesus nimmt Kinder in den Segen hinein und zeigt damit: Ihr gehört dazu, ihr seid mit Gott verbunden. Ein starkes Bild für diese Verbundenheit ist für mich auch die Bundesgeschichte mit Noah im Alten Testament.

Um das Segnen besser zu verstehen: Wo liegt die Abgrenzung zum Sakrament?
Der Segen ist zwar kein Sakrament, aber dennoch etwas Heiliges. Denn im Segnen holen wir Gott bewusst in eine Situation hinein. Segen bleibt unsichtbar, und trotzdem prägt er das Leben in einer tiefen Dimension. Er erinnert uns daran, dass wir von Anfang an von Gott getragen und begleitet sind. Genau darin liegt etwas sehr Kraftvolles. Es ist ein heiliger Moment mitten im Alltag. Dabei ist mir wichtig zu betonen: Der Segen ist nicht an kirchliche Mitarbeitende oder gar Priester gebunden. Eigentlich kann jeder Mensch zu jeder Zeit segnen – am Frühstückstisch, an der Haustür oder im Tram.

Du hast es gesagt: Jede Person kann segnen.
Ja, absolut. Und gerade in der Familienpastoral finde ich diesen Aspekt enorm wichtig. Ehepartner können sich gegenseitig segnen, Eltern ihre Kinder. Das muss nichts Grosses sein: Ein Kreuzzeichen auf die Stirn, wenn man die Kinder an der Tür verabschiedet, kann schon sehr viel bedeuten. Damit spricht man dem Kind auch Schutz und Behütung zu. Es ist die Zusage: Gott geht mit dir.

Inwiefern ist das Segnen eine Chance für die Familienpastoral?
Ich glaube, dass im Segnen etwas sehr Einfaches und gleichzeitig sehr Tiefes liegt. Deshalb möchten wir unsere Angebote für Familien bewusst mit verschiedenen Segensformen ergänzen. Wir sind zurzeit dran, entsprechende Angebote auszuarbeiten.
Aber bereits heute hat das Segnen im Religionsunterricht oder im BiG seinen Platz. Wir versuchen jeweils, eine «Segenssprache» zu finden, die konkret zu den Lebenssituationen der Kinder passt. Wir schauen: Was braucht dieses Kind gerade? Wofür braucht es Zuspruch?

Was sind deine Erfahrungen – wie reagieren Kinder, wenn sie gesegnet werden?
Das Segnen ist ein ruhiger Moment, ein Kraftmoment, den auch die Kinder spüren. Er richtet auf und gibt Ruhe. Bisher habe ich es immer positiv erlebt.

Welche Chancen bietet das Segnen für das Zusammenleben in der Familie?
Das Segnen öffnet im Familienleben einen Raum für das Göttliche – für etwas, das eigentlich längst da ist, im Lärm und in der Hast des Alltags jedoch oft übersehen wird. Ich würde es so beschreiben: Im Segnen holen wir ein Stück Himmel auf die Erde. Wir machen sichtbar und spürbar, dass unser Leben von mehr getragen ist als nur von uns selbst. Im Segen erfahren wir: Als Familie sind wir nicht allein unterwegs. Gott geht mit uns, begleitet, stärkt und behütet uns. Gerade in schwierigen Zeiten kann dieses Vertrauen tragen.

Ein besonderes Beispiel ist der Reisesegen, gerade auch für Familien, der ja bei uns im Pastoralraum angeboten wird.
Genau. Gerade in Übergängen – wenn etwas zu Ende geht oder neu beginnt, wie etwa eine Ferienreise – sehnen sich viele Menschen nach einem Zuspruch und nach Begleitung. Ein Reisesegen macht das konkret erfahrbar. Gerade Familien, die weit reisen oder Verwandte im Ausland besuchen, schätzen diese besondere Segensfeier sehr.

Allgemein betrachtet: Gibt es ein Segensritual, das dir besonders nahe ist?
Ja, die Töffsegnung, die jeweils an Auffahrt in Mauensee stattfindet. Natürlich werden dabei die Motorräder gesegnet – aber im Mittelpunkt stehen die Menschen, ihre Geschichten, ihre Sorgen und ihre Freude am Unterwegssein. Darum ist mir das Gespräch davor wichtig. Ich möchte hören, was Menschen bewegt und was sie gerade mitbringen. Erst daraus entsteht für mich ein persönlicher Segen, der wirklich mit ihrem Leben verbunden ist.