«Mich reizt der Gestaltungsspielraum»

Seit Mitte April leitet Karin Brun-Lütolf gemeinsam mit Simone Parise den Pastoralraum Region Sursee. Nach ihrer Tätigkeit beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) bringt sie nun ihre Erfahrung in den Bereichen Organisation und Betriebswirtschaft in die kirchliche Leitung ein. Dass sich Kirche wie Pastoralraum im Wandel befinden, motiviert sie: «Ich bin überzeugt, dass ich einen Beitrag leisten kann.»

 

Karin, du hast zuvor beim Schweizerischen Roten Kreuz gearbeitet und wechselst nun zur Kirche. Was bedeutet dir die Arbeit für Menschen?

Ich bin jemand, der gerne mit anderen Menschen Zeit verbringt, mit ihnen zusammenarbeitet und sich für sie einsetzt. Es erfüllt mich, wenn ich mich sinnvoll für meine Mitmenschen engagieren kann – das gibt mir in meiner Arbeit Sinn, Freude und Zufriedenheit. Genau deshalb habe ich mich auf diese Stelle beworben: Das Tätigkeitsfeld entspricht zudem meinen bisherigen Erfahrungen und Interessen.

 

Du trittst eine Stelle in einer Co-Leitung an, die es vorher nicht gab. Was hat dich daran gereizt?

Mich reizt das Modell der Co-Leitung sehr. Wenn man sich ergänzt und ein gutes Team bildet, kann man seine Stärken besser ausspielen. Man profitiert voneinander, unterstützt, spiegelt und reflektiert sich. In einer immer komplexeren Welt ist es wertvoll, Verantwortung zu teilen, Stärken zu bündeln und damit Synergien zu nutzen. Ich bin eine Teamplayerin und überzeugt: Ein gutes Team erreicht zusammen mehr als eine einzelne Person.

 

Du leitest den Pastoralraum künftig gemeinsam mit dem Theologen Simone Parise. Wie gestaltet ihr eure Zusammenarbeit?

Wir haben uns im Vorfeld einige Gedanken gemacht. Naheliegend ist eine gewisse fachliche Aufteilung: Als Betriebsökonomin und Kommunikationsspezialistin werde ich mich stärker auf organisatorische und administrative Bereiche konzentrieren sowie auch auf Wirkungsfelder wie Freiwilligenarbeit oder soziale Projekte, wo ich reichhaltige Erfahrungen aus dem SRK mitbringe. Simone Parise wird vermehrt jene Bereiche übernehmen, die näher bei der Theologie liegen. Wie sich die Zusammenarbeit im Detail entwickelt, wird sich im Alltag zeigen.

 

Die Kirche befindet sich in einem Wandel. Was reizt dich daran, gerade jetzt einzusteigen?

Mich reizt der Gestaltungsspielraum, der sich in dieser Phase des Wandels eröffnet. Die Kirche ist gefordert, sich weiterzuentwickeln und sich noch stärker an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten. Damit entstehen neue Aufgabenfelder, die aktiv gestaltet und strukturiert werden müssen.

Genau darin sehe ich meine Stärke: Ich arbeite gerne strategisch, setze Prioritäten, übernehme Verantwortung und bringe auch neue Perspektiven ein. Dabei ist es mir wichtig, Kreativität und strukturiertes Vorgehen miteinander zu verbinden. Ich bin überzeugt, dass ich in dieser Entwicklungsphase einen konkreten Beitrag leisten kann – und darauf freue ich mich sehr.

 

Was verbindet dich persönlich mit der Kirche?

Ich bin mit der katholischen Kirche aufgewachsen. Schon als Kind war ich im Blauring, später im Jugendchor, ich war Ministrantin – damals als eines der ersten Mädchen – und später Leiterin bei den Minis. Ich war im Frauenbund aktiv und habe Kleinkinderfeiern organisiert, als meine eigenen zwei Kinder klein waren.

Auch heute bin ich freiwillig engagiert, zuletzt etwa in der Kommunikation rund um das Jubiläum unserer Pfarrei. Die Kirche leistet sehr viel für die Menschen, besonders für jene, die Unterstützung brauchen. Gleichzeitig sehe ich auch kritisch, dass es Seiten der Kirche gibt, mit denen ich Mühe habe. Für mich ist aber wichtig: Man sollte sich trotz allem nicht von ihr abwenden, sondern versuchen, Dinge zu verändern.

 

Du bist Betriebsökonomin und hast auch ein Faible für Zahlen. Ich habe einige für dich mitgebracht: In unserem Pastoralraum zählen wir 15’869 Kirchenmitglieder, 108 Angestellte, 21 Kirchen und Kapellen, rund 70 Veranstaltungen und 160 liturgische Angebote pro Monat sowie 651 Freiwillige allein in Sursee. Was geht dir durch den Kopf, wenn du diese Zahlen hörst?

Das sind beeindruckende Zahlen. Denn hinter jeder Zahl stehen Menschen, die sich für die Gemeinschaft und christliche Werte einsetzen, dafür ihre Zeit investieren und kleine und grosse Veranstaltungen möglich machen. Auch die finanziellen Mittel und die Infrastruktur sind wichtig, ohne sie wäre vieles nicht realisierbar.

Vor allem aber zeigt sich: Es sind die vielen kleinen Beiträge, welche die Gemeinschaft des Pastoralraums lebendig halten. Sie ermöglichen Teilhabe für einsame Menschen, spenden Hoffnung in schwierigen Zeiten und begleiten Menschen in Momenten der Freude. Diese Dinge machen das Leben aus.

Dabei wird deutlich, welche Bedeutung Kirche auch heute noch haben kann: Sie kann Heimat sein. Ein Ort, mit dem man sich trotz aller Schwierigkeiten verbunden fühlt. Gerade in einer schnelllebigen Zeit voller Herausforderungen ist das ein wertvolles Geschenk.

 

Worauf freust du dich in deiner neuen Rolle besonders?

Ich freue mich auf die Menschen hier vor Ort, auf die Zusammenarbeit im Team und darauf, die neue Struktur im Pastoralraum gemeinsam weiterzuentwickeln. Vieles entsteht erst im Miteinander. 

Als Leitungsperson ist es mir wichtig, Orientierung zu geben, Klarheit zu schaffen und gleichzeitig Räume zu öffnen, in denen Verantwortung gemeinsam getragen werden kann. Ich arbeite gerne partizipativ und sehe grosses Potenzial darin, die vorhandenen Kompetenzen im Pastoralraum sichtbar zu machen, zu vernetzen und gezielt weiterzuentwickeln.

Gemeinsam ein tragfähiges Fundament zu legen und damit etwas für die Menschen vor Ort zu bewirken – das motiviert mich sehr.

 

Was macht dich ausserhalb der Arbeit glücklich und gibt dir Energie?

Wenn man viel Kopfarbeit leistet, tut ein Ausgleich gut. Ich bin gerne in der Natur, bewege mich viel und verbringe Zeit mit meiner Familie sowie mit Freundinnen und Freunden. Beim Fotografieren kann ich mich ganz auf einen Moment einlassen und alles andere ausblenden. Ähnlich ergeht es mir beim Singen im Jazzchor. Bei all dem schöpfe ich neue Kraft.