Wenn der Segen durch die Felder zieht

Ein Gottesdienst in der Natur, Butter für alle und ein freudiges Wiedersehen im Dorf: Das ist der Ankebock-Bittgang in Knutwil. 

Was hat ein Ankebock, also ein einfaches Stück Butter, mit einem Segen zu tun? In Knutwil-St. Erhard eine ganze Menge. Seit über 330 Jahren gibt es hier den Ankebock-Bittgang: ein Gottesdienst unter freiem Himmel, verbunden mit einer Prozession durch die Weiler Eriswil, Wolen und Hitzligen. Anschliessend wird jeweils ein Ankebock geteilt und mit einem Stück Brot als Znüni eingenommen. Anschliessend essen die Mitfeiernden gemeinsam Mittag und und sitzen bis in den Nachmittag zusammen.

Wenn das Dorf gemeinsam betet
Seinen Ursprung hat der Brauch im Unglücksjahr 1692: Der Weiler Wolen brannte vollständig nieder, und kurz darauf wurde auch Eriswil durch einen Brand teilweise zerstört. Gleichzeitig wütete in Hitzligen und St. Erhard die Rinderpest, wobei  ganze Viehbestände verloren gingen. Als Reaktion darauf wurde in der Kreuzwoche, der Woche vor Christi Himmelfahrt, ein Bittgang eingeführt. Die Bauern verpflichteten sich, den Teilnehmenden Brot und Butter zu spenden. So entstand die Tradition des Ankebock-Bittgangs.


Geselligkeit nach dem Gottesdienst
Der Hof von Werner und Erika Kaufmann aus Eriswil gehört zu den zehn Höfen, die bis heute «Anke» und Brot beisteuern. Diese Spende ist seit jeher festgelegt, je nach Grösse des Betriebs. «Früher haben wir Brot und Butter selbst organisiert, heute übernimmt das die Kirchgemeinde», sagt Erika Kaufmann. Die Kosten tragen die Besitzer dieser zehn Höfe.
Am Bittgang nimmt Erika Kaufmann mit ihrer Familie regelmässig teil: «Es ist etwas Besonderes, draussen in der Natur – meist bei schönem Wetter – um Segen für Land, Tiere und die Menschen in unserem Dorf zu bitten. Man trifft Leute aus Knutwil und St. Erhard, die man unter dem Jahr nicht oft sieht.»
Doch wirkt der Segen? «Bis jetzt sind wir hier von schweren Unwettern verschont geblieben. Es gab kaum Hagel und keine grossen Schäden an den Ernten», sagt sie und lacht. «Ob das am Segen liegt?»